05.05.2010
AUS 3 MACH 1
CASH: Herr Schönleitner, die Pfeiffer-Gruppe steht mit dem Bereich C+C, Nah&Frisch und Unimarkt auf drei Beinen. Wie viele Herzen schlagen da in Ihrer Brust – und für welchen Bereich schlägt es am liebsten?
Erich Schönleitner (lacht): Also rein physisch betrachtet habe ich natürlich auch nur ein Herz und dieses schlägt für alle drei Bereiche gleich gern.
Und Herr Potrusil, wie ist das bei Ihnen?
Rudolf Potrusil: Genauso. C+C, Einzelhandel und Unimarkt wollen und können wir als Gruppe nicht getrennt betrachten.
Das hat mir Georg Pfeiffer auch schon in einem Interview gesagt, als ich ihn gefragt habe, ob er vielleicht Unimarkt verkaufen möchte. Können Sie sich vorstellen, dass das trotzdem einmal passiert?
Schönleitner: Im Handel kann sich generell immer alles verändern, aber aus strategischer Sicht schließe ich das aus. Mein Kollege hat es schon gesagt:Man kann die Geschäftsfelder nicht getrennt betrachten – obwohl wir natürlich für jede eigene Strategie entwickeln -, weil sie sich gegenseitig ergänzen und in Summe unsere Stärke ausmachen.
Welche sind die wichtigsten Stärken?
Schönleitner: Das ist beispielsweise die Stärke, die wir durch die drei Bereiche im Einkaufsvolumen anheben, und das ist gegenüber unseren Lieferanten ein ganz entscheidender Punkt. Wir haben schon vor Jahrzehnten unseren Einkauf in eine eigene Tochter, den Top Team Zentraleinkauf, ausgegliedert. Damit haben wir im C+C in Österreich eine Marktstellung ähnlich wie die der beiden gossen Spar und Rewe im Einzelhandel. Durch die Kooperation mit Eurogast sind wir im Gastro-Großverbraucherbereich die größten Einkäufer. Da liegen wir auch deutlich über Metro.
Potrusil: Sie sehen, wir wollen uns weder auf den Lebensmittelhandel noch auf den C+C Bereich beschränken. Ganz abgesehen vom Einkaufsvolumen denken wir aber ständig darüber nach, welche Dinge man von einem auf das andere Geschäftsfeld übertragen kann, um weiter zu profitieren. Unser C+C-Sortiment ist beispielsweise ausgezeichnet aufgebaut, wir bringen gemeinsam mit der Industrie viele Innovationen heraus. Also überlegen wir dann, was können wir für den Nah&Frisch-Bereich, was für Unimarkt davon nützen. Und diese starke Vernetzung der drei Felder betrifft selbstverständlich auch die Logistik. Das drückt sich in der täglichen Frische-Belieferung der Nah&Frisch-Kaufleute und Unimarkt-Standorten aus.
Ich habe schon den Eindruck dass der C+C-Bereich vieles dominiert, nicht nur beim Umsatz. Kommen Ihre Kaufleute da wirklich zum Zug?
Schönleitner: So kann ich das wirklich nicht stehen lassen. Ja, C+C ist das Pfeiffer-Flagship. Warum? Mit C+C haben wir konzernmäßig betrachtet die beste Marktposition und das beste Business-Modell: Wir bieten dem Gastronom ein auf ihn zugeschnittenes Sortiment mit einer Spitzenqualität in der Dienstleistung an. Wir sind mit C+C deutlich über dem Markt gewachsen, werden auch weiterhin sehr expansiv sein und legen heuer den Schwerpunkt bei den Investitionen auf diese Vertriebsschiene. Aber im Vorjahr hatten wir die Expansion auf Unimarkt gelegt und begonnen, im Nah&Frisch-Bereich eine kontinuierliche, konsequente Umsetzung in der Ladenmodernisierung, in der Optimierung der Sortimente einzuleiten. Sie sehen, es gibt eine grundsätzlich sehr enge Kooperation mit den Kaufleuten. Diese kommen also wirklich zum Zug, und das wissen wie auch. Wenn ich uns mit regional tätigen Händlern vergleiche, dann spielen wir im Einzelhandel mit Mölk in einer Liga.
Mit dem C+C Bereich werden Sie aber das meiste Geld verdienen. Stimmt das – und wer muss da wen quersubventionieren?
Potrusil: Ja es stimmt, mit C+C verdienen wir am meisten und Quersubventionen gibt es nicht, sehr wohl aber viele Synergien und gegenseitiges Lernen. Aber grundsätzlich müssen der Großhandel und Unimarkt genauso ihr Geld verdienen und es darf nicht sein, dass einer den anderen permanent unterstützen muss.
Schönleitner: Dazu gehört eben auch, alle drei Felder strategisch weiterzuentwickeln, und das unter dem Gesichtspunkt der Langfristigkeit, das ist unser Grundprinzip. Ein Beispiel dafür: Im Jänner haben wir in Graz/Seiersberg neben unserem C+C unser neues Zentrallager Süd eröffnet. Sämtliche Nah&Frisch-Kaufleute in diesem Liefergebiet werden in erstklassiger Qualität von dort aus beliefert, ebenso wie die Unimarkt-Standorte. Das Lager ist kapazitätsmäßig auf 2017 ausgerichtet.
Wenn alles langfristig ausgerichtet ist – welche Expansionsmöglichkeiten sehen Sie dann in der Zukunft für Österreich? Beginnen wir mit Zielpunkt. Wäre das für Sie interessant?
Schönleitner: Das muss man im Einzelfall prüfen. Wir sind offen, gehen aber nicht aktiv an die Sache heran und es hat uns auch noch niemand direkt kontaktiert.
Was ist mit AGM, wenn das ein Thema werden würde?
Potrusil: Wenn die Rewe sagen würde, wir geben ihn auf, dann würden wir nicht sagen, wir prüfen das nicht.
Welches Potenzial sehen Sie für C+C beispielsweise in Wien? Da haben Sie jetzt zwei Standorte, aber Wien ist bekanntlich groß. Warum haben Sie nicht versucht C+C Berger zu kaufen und das Wedl überlassen, für den das ein neues Terrain ist.
Schönleitner: Zum Potenzial: Ja, das gibt es und wir schauen uns das ehr genau an, denn wir wollen natürlich keinen Umsatz liegen lassen. Unser neuer C+C Wien-Nord entwickelt sich weit über unseren Erwartungen und war von Start weg sehr gut unterwegs. Das war auf unseren ersten Standort in Brunn zurückzuführen, da wir schon bekannt waren. Jetzt wiederum hebt Wien-Nord auch die Umsätze in Brunn.
Und wie ist das mit Berger?
Schönleitner: Wir haben gesagt, wir stellen unseren eigenen neuen Standort hin – und in der Projektierung hat man uns ganz einfach auch nicht gefragt.
Können Sie sich mit C+C Pfeiffer auch eine Expansion ins Ausland vorstellen?
Potrusil: Vorstellen kann man sich alles, aber das ist jetzt kein aktuelles Thema.
Kehren wir thematisch nochmals zu den Kaufleuten bzw. zu Ihnen als Großhändler zurück. Besonders aus der Nah&Frisch-Gruppe, aber auch von der Spar, besten Großhändler für die Kaufleute. Fühlen sie sich als bester Großhändler?
Schönleitner: Im Vergleich der Großhandels-Modelle mit der Spar und der Adeg sind wir sicher die Nummer eins.
Wie begründen Sie das?
Schönleitner: wir haben ein Konzept und eine selbstständige Marke für die Kaufleute, und das ist eben Nah&Frisch. Die Spar hat eine Marke für alle, mit einem starken Overflow, das ist ein großer Unterschied aus meiner Sicht.
Aber die Spar-Kaufleute sind ja nicht gerade unerfolgreich.
Schönleitner: Das habe ich auch nicht behauptet. Aber wir konzentrieren uns eben als Großhändler nur auf das Nah&Frisch-Konzept und auf diese Marke. Und wir können für unsere Kaufleute außerdem auch uaf unsere Leistungen aus anderen Geschäftsfeldern zurückgreifen. Aber das tun wir nur dann, wenn es für die Kaufleute Sinn macht.
Wenn Sie den C+C Bereich nach Kunden strukturieren, wie viele entfallen auf Lebensmittelhändler?
Potrusil: In etwa 80 Prozent kommen aus dem Gastronomiebereich, ein Teil sin Lebensmittelhändler und auch Business-Kunden. Vor zehn Jahren war das Verhältnis 50 % Großverbraucher, 50 % Lebensmittelhändler. Aber das wird sich so nicht mehr ergeben, weil wir uns als Großhändler stärker auf die Bedürfnisse der Kaufleute spezialisiert haben.
Meine Herren, ich bedanke mich für dieses Gespräch
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